G4S Vorstand zur Asyldebatte

  • 27 Aug 2015 11:19
G4S-Chef warnt, dass "handlungsunfähige Regierung ein Turbo für Fremdenfeindlichkeit ist".

Diese Völkerwanderung war absehbar, schon vor Monaten. Und trotzdem agieren die politischen Verantwortungsträger in Österreich und in Europa bei der Flüchtlingsthematik so, dass man sich als Bürger dafür geniert."

Matthias Wechner ist, man darf das durchaus so sagen, zornig. Der Österreich-Chef von G4S, einem der weltweit größten Sicherheitsunternehmen, war viele Jahre im Innenministerium tätig und kennt die Flüchtlingsproblematik aus erster Hand – G4S betreibt das Schubhaftzentrum in Vordernberg.

Wechner hält nicht nur den Umgang mit den Asylsuchenden für mehr als problematisch ("Das sind zuerst einmal Heimatlose, die ihr Leben riskieren, um hierher zu kommen"), sondern auch die Konsequenz, die das träge Handeln der institutionalisierten Politik bedeutet.

"Die Handlungsunfähigkeit der Regierung ist geradezu ein Turbo für Fremdenfeindlichkeit."

Symbolische Besuche der Staatsspitze in Traiskirchen seien zwar wichtig, und auch der zuletzt präsentierte 5-Punkte-Plan von Integrationsminister Sebastian Kurz sei positiv. "Das akute Problem ist damit aber nicht gelöst." Den Zustrom von 400 Asylanträgen pro Tag hält Wechner für eine enorme, aber schaffbare Aufgabe. "Vorausgesetzt, man lässt die Polizei damit nicht allein."

Heimatlose

Was also kann man besser machen? Wie kann verhindert werden, dass Heimatlose im Oktober oder November ohne Unterkunft sind?

"Die Politik muss enger und offener mit privaten Unternehmen und NGOs kooperieren. Es geht darum, außerhalb gewohnter Rahmen nach Lösungen zu suchen."

Ein konkreter Ansatz ist für Wechner die Frage der Arbeit von Asylwerbern. "Wir müssen neue Konzepte entwickeln, dass diese Menschen einer Beschäftigung nachgehen. Warum zum Beispiel setzen wir sie nicht in der Flüchtlingsarbeit ein? Wer weiß besser um die Nöte geflüchteter syrischer Familien Bescheid als jemand, der selbst aus Syrien geflüchtet ist?"

Für Wechner steht außer Frage, dass noch nicht alle leer stehenden Immobilien, die der öffentlichen Hand gehören, bestmöglich als Unterkunft genutzt werden.

Den Vorbehalt, private Institutionen sollten bei hoheitlichen Aufgaben wie dem Asylwesen keine zentrale Rolle spielen, kann Wechner nicht nachvollziehen. "Das Beispiel Vordernberg zeigt, dass man menschenrechtliche Standards halten kann und trotzdem wirtschaftlich arbeitet. Ich traue mich sogar zu sagen: Dort werden bessere menschenrechtliche Standards um weniger Geld erreicht."

Quelle: Kurier

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